Vor allem im deutschsprachigen Raum wird der Firmenname „Hamer“ (nach Firmenmitbegründer Paul Hamer) gerne wie das beliebte und nützliche Werkzeug (der) Hammer ausgesprochen. Und wenn’s besonders amerikanisch rüber kommen soll, gerne auch mit einem „ä“ statt dem „a“ ;-)
Was nun jeder schon ahnt - das ist nicht korrekt. Richtig ausgesprochen klingt es wie „Hay’-mer“.
Wie schon geschrieben, ließ Hamer die Typbezeichnung „Sunburst“ 1993 fallen. Schließlich war die originale 1977 eingeführte Sunburst als Budget-Modell in der Produktlinie gedacht - und um das verwirklichen zu können, gab es bei der Farbwahl einfach keine Optionen. Als einzige Farbe wurde ein Rot-nach-Gelb Sunburst angeboten - entlehnt der klassischen Farbgebung der (später) beliebtesten ’59 Les Paul Standard Variante.
Nun, Gitarristen als solches sind konservativ - das liegt in der Natur der Sache. Aber gerade bei den „Elektrikern“ fällt Snobismus und ein ausgeprägter Markenfetischismus auf. Vielen würde etwas Gutes nicht einmal auffallen, wenn man es ihnen an die Hand tackern würde.
Ab einer gewissen Preislage lassen sich „Akustiker“ beim Gitarrenbauer ihrer Wahl und möglichst in ihrer Nähe ein hochwertiges Instrument auf den Leib schneidern.
Es gibt in Deutschland mehr Instrumentenbauer, als man zuerst vermuten würde. Und sie genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf.
Und ganz nebenbei schafft und sichert dies Arbeitsplätze, stärkt die heimische Wirtschaft, bringt Fähigkeiten, Fertigkeiten und Know How voran. Genug abgeschweift, zurück zum Gegenstand der Betrachtung:
Da es sich im Prinzip um eine weniger aufwändig ausgestattete Hamer Sunburst Archtop Standard handelt, verweise ich auf die dort gelisteten Features.
Sinnigerweise gehe ich hier mehr auf die Unterschiede ein. Auch diese Gitarre wurde im Hamer Werk Arlington Heights, gelegen in Chicago, gefertigt. Trotzdem zeigt diese Archtop Standard einen eigenen Charakter.
Nein, sie klingt nicht genau so wie die Hamer Sunburst Archtop. Ja, natürlich geht der Sound tendenziell in die Richtung „Humbucker bestückte Gitarre aus Mahagoni mit Ahorndecke“.
Aber weniger organisch, nicht so stark in den Obertönen; dafür straffer, mit deutlicheren Höhen und Bässen. Auch etwas weniger Sustain. Vielleicht ist das Klangbild mit „moderner“ ganz gut beschrieben. Nu-Metaller würden in jedem Fall der Archtop Standard den Vorzug geben.
Wie schon beim Ibanez Schwesternpaar AR300 Reissue AV und AR300 BL Reissue kommt man auch hier zum Schluß: zwei Gitarren vom selben Hersteller und der selben Baureihe, in selber Bauweise und mit den selben Bauteilen gebaut, ergeben noch lange nicht das Gleiche.
Der dazugehörige paßgenaue Hamer-Formkoffer „Made in Canada“ war in einem guten Zustand, die Schlüssel lagen noch verschweißt im Staufach.
© Bodo Burtscher

Die Korpusrückseite sieht aus wie Mahagoni, ist auch Mahagoni und auch aus einem Stück, hat aber eine höhere Dichte als das bei der Hamer Sunburst Archtop Standard verwandte

Das fehlende Binding läst einen ungehinderten Blick auf den Verlauf und die Formgebung der Riegelahorndecke zu.

Die kaum deckende „Natur“-Lackierung läßt auch das Hamer-Patent des dreifach gesperrten „stressed Neck“ schön hervor treten.