Anmerkung vorab: Hinweise zu Ibanez Serien-Nummern finden sich in der Seite zur AR300 Reissue AV.
Bei der Artist AR700 handelt es sich um den Underdog der gesamten Modell-Reihe. Am 29. Januar 1998 und damit nach fast 10 jähriger Abwesenheit des Klassikers im Ibanez-Programm verkündete Bill Reim vom Hoshino-Mutterkonzern das Comeback auf der Winter-NAMM. Vorgestellt wurde die in China produzierte GAX70, die in Korea gebaute AR250 und im Premium-Segment die im Mutterwerk gefertigten AR2000 „Prestige“ zusammen mit ihrer unscheinbaren Schwester, der AR700.
Diese Unscheinbarkeit war auch das Problem der AR700. Sie ist mit der AR2000 identisch — bis auf die Tatsache, das sie nicht aus den optisch ansprechenden Hölzern gefertigt wurde. Während die AR2000, seit der NAMM-Show 2004 abgelöst durch die AR3000, eine wirklich beeindruckende AAA-Top vorzeigen kann, läßt sich die Riegelung hier nur erahnen.
Und auf 2 Meter Entfernung sind die koreanischen Schwestern mit Riegelahorndecke (übrigens massiv, und nicht nur ein Furnier wie bei Epiphone) in Cherry Sunburst einfach beeindruckender.
Es kommt was kommen musste: Ibanez stellte mit Ende 1998 die Produktion der AR700 ein. Es hat sich immer noch nicht herum gesprochen, was für hervorragende Gitarren das sind - Gelegenheit, um ein echtes Schnäppchen zu machen - und eine Rarität erwirbt man dazu nebenbei.
Die AR700 (und damit die AR2000) nimmt Bezug auf die Aera in den späten 70ern, in denen die Fertigung ein bisher nicht gekanntes Niveau errreichte und die Artist ein wirklich eigenständiges Design darstellte. Danach (ab 1980) wurde sie offensichtlicher auf Gibson Les Paul mittels Konstruktion und Gestaltung getrimmt (gegen die sie ursprünglich positioniert worden war).
Das führt zu einer wesentlich besseren Balance, wenn die Gitarre am Gurt hängt! Keine Kopflastigkeit mehr (die man auch bei den koreanischen AR250/AR300 feststellen kann!
Hier kommen wir zum entscheidenden Unterschied zur AR2000: im Gegesatz zu dieser kommen hier keine Super 58 Pickups zum Einsatz, sondern Ibanez v7 (Hals) und v8 (Stegposition).
Ich hätte jetzt die Super58 nachrüsten können, entschied mich dann aber für Gibson BurstBuckers™ (Customshop), und zwar die #1 [(IM57A-NH) is slightly underwound, with medium “vintage” output, for that airy and cremy Sound] in der Halsposition, und am Steg einen heiser gewickelten #3 [(IM57C-NH) is slightly overwound, with hotter output, and works well in the bridge position with a BurstBucker™ #2 or #1 in the neck position].
Die Diskussion, ob die alten Artists (vor 1980) besser sind [Wie etwa diese Artist EQ (Model 2622)], ist unfair. Wie man sehen kann, haben die Ibanez Ingenieure das Konzept, Layoutmerkmale und Ausstattungs-Details der in Japan gebauten Modelle weiter verbessert.
Das letzte Argument wäre, die alten Gitarren haben „mehr Seele“.
Man muss aber auch in Betracht ziehen, das diese Seele auch böse sein könnte. Wer weiß schon, wie die Gitarren die letzten 20 Jahre be(miß)handelt worden sind?
Diese Gitarre hier ist nun auch schon 7 Jahre alt, das Holz ist weiter getrocknet und hat schon angefangen, sich einzuschwingen. Man ist jetzt praktisch eingeladen, den Charakter mitzuformen!
Wenn es um die Beschreibung des Tones geht ist die vielstrapazierte Analogie Ibanez „Artist“ = Gibson „Les Paul“ nicht zu 100% korrekt. Ein wirklich ertklassiger „Les Paul“ Sound wird etwa von dieser EVO Deluxe geboten.
Als aktuell letzte Modifikation wurde ein Graph Tech Trem-Nut™ eingebaut. Ich hatte mit dem Lubricate-Sattel schon bei meiner Hamer Sunburst Archtop absolut positive Erfahrungen gemacht - gesteigerte Stimmstabilität, Sustain und der Ton wurde einen Tick konkreter.
Unter klanglichen Aspekten wäre ein Sattel aus Knochen noch etwas vorteilhafter - mit den in einem gewöhnlichen Haushalt zur Verfügung stehenden Werkzeugen tut man sich beim Graph Tech Sattel halt leichter. In Sachen Stimmstabilität ist der Sattel so ziemlich das Beste, was man bei vertretbarem Aufwand seiner Gitarre antun kann.
© Bodo Burtscher

Eine klassische, wohlproportionierte Schönheit - im schlichten Outfit (und wahrscheinlich deshalb zeitlos).
Aus Effizienz-Gründen gibt es die jeweilige Modellreihe immer nur in einer Ausführung. Die AR700 wurde ausschließlich in Tobacco Sunburst ausgeliefert.
Bei den in Japan gefertigten Artist sind in Sachen Konstruktion die Gitarren aus den Jahren 1977 bis 1979 Vorbild.
Angeblich kamen auch etliche der damals verwendeten Maschinen wieder zum Einsatz). Deutlich wird dies auch am Hals-Korpus-Übergang.

Die-Cast Gotoh Tuners mit Ibanez Logo und Perloid-Flügeln.

Die Gibson BurstBuckers™ (aus der „Historic Collection“).
Gibson fertigt sie wie die alten Ur-PAF's. Vorteil: sagenhaft lebendigen Klang - Nachteil: Da die Spulen des Pickups nicht gewachst sind, kommt es in High-Gain-Modi bei höheren Lautstärken oder zu geringem Abstand zum Verstärker zu Mikrophonie-Effekten (unmusikalisches Pfeifen), was in kleineren Übungsrämen schnell zum Problem werden kann.

Quick-Change Saitenhalter und Gibralter II Bridge. Die komplette Bridge ist wie aus einem Guß massiven Metalls.
An den Stegbolzen Konterschrauben, und selbst die Stegreiter werden nach getaner Einstellung mit jeweils einer Schraube arretiert. TonePro hat das Prinzip übernommen und macht mit seinen Replacement-Bridges wohl gutes Geld.
