Klein, schwarz, stark - und absolut unverwüstlich. Der L2 wurde auf der Sommer-NAMM 1979 vorgestellt. Drei Prototypen wurden jeweils an John Entwistle (The Who), Tony Levin (King Crimson, aktuell Peter Gabriel) und Andy West (The Dregs) verkauft. Der Bass Nr. 0430 ging an Gordon M. Sumner( Sting).
Ned Steinberger hatte zuvor schon als Absolvent des Maryland Institute of Art (Fachbereich Bildhauerei) für Stuart Spector das Design der NS-Bass-Serie entwickelt (welches in den aktuellen Warwick-Modellen fortlebt).
Mit dem vorliegenden revolutionären Design aber sollte sein Name unsterblich werden.
Vom L2 wurden 1.500 Stück gefertigt. Noch seltener waren/sind die L1, von denen lediglich 50 Stück gebaut wurden. 1984 wurde der L2 durch den XL-2 ersetzt.
Im July 1983 verlegte Steinberger den Firmensitz von Brooklyn nach Newburgh, NY. Die größere Fabrik erlaubte eine höhere Fertigungsrate.
Im November 1987 wird Steinberger Sound durch die Gibson Guitar Corporation übernommen.
Eine Folge davon war, daß er seinen Namen seither für seine eigenen Entwürfe und Produkte nicht mehr verwenden darf - ähnlich erging es ja auch Leo Fender, nachdem er seine Firma 1964 an CBS verkauft hatte.
Die ersten in Brooklyn gefertigten Modelle (wie dieses hier) weisen einige Besonderheiten auf:
Dieser Bass hier hat wahrscheinlich alles mitgemacht, was es on the road zu erleben gibt. Als ladengehütetes Schätzchen geht er nicht durch, und ist damit für den Sammler eher ungeeignet. Für aktive Musiker interessant: Legendäre Stimmstabilität (über ein Jahr auf dem unisolierten Dachboden vergessen - Winter/Sommer/Herbst/Winter - konnten der Stimmung trotz extremer Temperatur- und Luftfeuchtigkeits-Schwankungen nichts anhaben) einstöpseln und los.
einfach sagenhaft - ja, ok, ich spiele eigentlich Gitarre, aber der ist echt eine Wucht. Auch als Gitarrist hat man eine Vorstellung, wie ein Bass zu klingen hat - und der L2 trifft sie (zumindest meine) bei guter Bespielbarkeit trotz ungewohnter Ausmaße (mit denen man als Gitarist hier zu tun hat).
Trocken, ohne Verstärker klingt das Gerät frappierend nach Kontrabass - ich glaub es ja selber kaum. Dem Klangbild gesellt sich ein unterschwelliges Knurren hinzu, das sich bei stärkerem Anschlag mehr in den Vordergrund schiebt. Als Soundbeispiel kann das Album „Grace Under Pressure“ von Rush herhalten. Geddy Lee spielte das Album mit seinem L2 ein.
Wie so oft fehlt bei solch einem alten Schätzchen das eine oder andere. Hier waren leider die Tasche (Steinberger ist damit quasi der Erfinder des Gigbag), die Beinauflage mit Bajonet-Stecker und die vier Inbus-Schrauben für die Befestigung konventioneller Bassaiten leider nicht mehr auffindbar. Die passenden Schrauben lassen sich aber verhältnismäßig leicht wieder nachrüsten.
© Bodo Burtscher

Das Headless-Design - sehr ungewohnt, und sorgt in den meisten Fällen erst mal für Skepsis.
Zu 90% schlägt die Ablehnung aber schlicht in Begeisterung um, sobald man sich selbst und dem Steinberger eine Chance gegeben hat.

Gurt Pivot (U.S. Pat #RE31722) - Die Verankerung liegt im absoluten Schwerpunkt.
Stundenlanges spielen ist, obwohl der Bass kein Leichgewicht ist (die Optik täuscht - Graphit/Kohlefaser hat eine sehr hohe Dichte), keine Tortur. Bei Nichtgebrauch wird sie einfach weggeklappt.


