Die Gitarre wurde von Willy Mauhs 1980 oder 1981 auf der Frankfurter Musikmesse erworben (er mochte sich da nicht so festlegen). Das ist aber auch der Grund, warum an dieser Gitarre außer dem „Wotan“ Schriftzug, als Abalone-Intarsien in die Kopfplattenfront eingelegt, keinerlei sonstigen Bezeichnungen zu finden ist. Die Gitarre trägt nicht einmal eine Seriennummer.
Es ist ein Messemodell, welches die Fähigkeiten und Fertigkeiten der Gitarrenbauer und damit der Firma Wotan demonstrieren sollte.
Die Gitarre hat nur einmal in den 80er Jahren eine Bühne gesehen. Bei dem Gig handelte es sich um eine Big-Band-Gala in Köln. Danach wurde sie geputzt, mit einer Firnis eingelassen, und verschwand im Koffer. Diese Firnis sollte aber später noch Grund zur Sorge sein. Mehr dazu weiter unten.
Von Pedro Scassa aus Rom erhielt ich im Juli 2008 eine Email, in der fundiert dargelegt wird, daß es sich um ein Produkt der Terada Factory in Nagoya, Japan, handeln muß. In Italien konnte er zwei identische Modelle in Augenschein nehmen (jeweils von Gigi Ciffarelli und Luciano Zadro). Der Firmenname in der Kopfplatte lautet bei diesen Gitarren allerdings „El Torres“ . Eine der Gitarren trägt einen Terada Guitars Stempel auf dem Innenlabel. Insider wissen sicher, daß in der Terada-Fabrik in den 80ern des letzten Jahrhunderts etliche der Ibanez HighEnd Semi-Acoustics gefertigt wurden.
Daraus ist zu folgern, daß es sich hierbei um den Versuch handelte, jeweils lokal ein eigenes Label zu etablieren. Rückblickend war damit leider ein weiteres Kapitel dem Buch der „Pleiten, Pech und Pannen“ hinzugefügt worden.
Die Gitarren wurden in der Fachpresse jener Zeit ausgesprochen positiv rezensiert. In Heavy-Kreisen kamen die BcRich-ähnlichen Solidbody-Kreationen auf immerhin moderate Stückzahlen.
Aber selbst unter diesen seltenen Vögeln ist das hier vorgestellte Messemodell eine Ausnahmeerscheinung.
Diese wunderbare Jazz-Box ist komplett von Hand gefertigt, was sich bei genauerem Studium auch sehr schon den den Bindings erkennen läßt. In Ermangelung näherer Einzelheiten und Informationen nenne ich sie einfach mal „Typ ES-175“ (auch wenn das Cutaway der Gibson ES-175 spitzer ausläuft).
Es handelt sich hier um eine Vollresonanzgitarre in bester Jazz-Tradition. Die Gitarre ist eigentlich in einer sehr guten Verfassung und (fast) 100% original. Eigentlich - wäre da nicht die oben schon angeschrieben Sache mit der Firnis gewesen.
Holz, Lack und Binding sind fast wie neu. Probleme gab es vor allem im Bereich um das Schildpatt-Schlagbrett (dem Aktionsradius der rechten Schlaghand).
Jahrelang im Koffer liegend, konnte dort die Korrosion in aller Ruhe ihr Werk verrichten. Die Pickup-Kappen waren vollständig korrodiert und grün angelaufen, die Metallteile und Schrauben in dem Bereich waren vor lauter Rost kaum mehr kenntlich. Das Schildpatt-Pickguard ist brüchig geworden.
Ich habe die Metallteil großteils vom Rost befreit, das Pickguard repariert. Die Tonabnehmer-Kappen waren nicht mehr zu retten, weshalb ich sie auch abnahm (und weshalb die Gitarre nicht mehr ganz 100% original ist).
Geblieben sind einige angelaufene und mit Rost bedeckte Schrauben und der Pickguard-Haltebügel (Messing), und die zur Diskantseite hin leicht angelaufenen letzten 5 Bünde.
Alles in allem Dinge, für die in Customshops richtig Geld verlangt wird, um eine authentische „Relic“-Anmutung zu erreichen:) Ist aber alles auf den Fotos zu sehen.
Hmmm, holzig und hohl?! Akustisch gespielt sehr laut und im Klang, na ja, akustisch eben. Starker aber doch weicher Anschlagsattack, mäßiges Sustain mit sehr zurückhaltenden Bässen - viel Schimmer.
Elektrisch sind jazzige Sachen ihr Ding, „Revolution“ von den Beatles ist bei einem Fußtritt auf den entsprechenden Schalter da. Dick Brave und seine Mannen kämen damit auch in den Archtop Heaven
Der dazugehörende paßgenaue Formkoffer war in fast neuwertigem Zustand, selbst der Inbus-Schlüssel zum Einstellen der Halskrümmung ist noch in seinem originalen Etui.
© Bodo Burtscher
Es haben sich doch einige auf meine Bitte hin gemeldet, die Wissenswertes zu diesem schönen Instrument beitragen können. Schon im Frühjahr 2007 kam eine Email von Norbert Klein (Beggars Banquet) rein. Ich zitiere:
Ich war damals damit beschäftigt, Heinz Birwer, der den Import der Wotan E-Gitarren übernahm, in einigen Dingen der Entwicklung der Solid-E-Gitarren unter die Arme zu greifen. So kamen z.B. Form und Schaltungslayout aus unserem Kopf und wurden in Japan umgesetzt.
Zur 175: Sie liegen m.E. genau richtig und wenn mich nicht alles täuscht, habe ich sogar genau diese Gitarre von den Japanern auf der Musikmesse in Frankfurt entgegengenommen. In der Tat war es nämlich so, dass die Japaner uns das Instrument gaben mit einer so ähnlichen Anmerkung wie „und was wir noch alles können...“
Ich kann mich wirklich gut erinnern: ein traumhaftes Instrument (damals zumindest).
Ich schätze Ihre Gitarre müsste Bj 77/78 sein. Von uns (und meines Wissens auch sonst) wurden aber keine weiteren 175er in Deutschland/Europa (?) verkauft - zumindest nicht über uns. Möglicherweise gibt es noch ein weiteres Sample-Exemplar im Besitz von Heinz Birwer.
Von den Solid-Body’s sind etwa 1000 Stück (zumindest zu meiner Zeit) von uns importiert worden. Dazu weitere 600 Bässe Rechts- und 50 Linkshänder.

Immer wieder ein Problem beim Fotografieren von Gitarren ohne professionelles Equipment — lästige Reflexionen auf den (glänzenden) Lackoberflächen.

Die gesamte Gitarre ist mit einem 7schichtigen Binding eingefaßt.
Ausnahmen: Korpusoberseite (9schichtig) und F-Löcher (1schichtig).

Auf diesem Foto sind die Verfärbungen den den letzten 5 Bünden zur Diskantseite hin gut zu sehen. Darüber ein Bild mit den verrotteten Pickup-Kappen, die über die Goto-PAF's ursprünglich gestülpt waren.

